Lässt die Wirkung von
TV-Werbung nach?
Mentale Verfügbarkeit aufzubauen, gehört zu den Stärken des linearen Fernsehens. Darin sind sich Mediaprofis weitgehend einig. Wer vor der Kaufentscheidung steht, ruft im Idealfall das Gespeicherte ab und greift zu Marken, die im Gedächtnis verankert sind. Aber was leistet TV im Lower Funnel? Wer geht noch während eines TV-Spots auf Markenwebsites, wer bestellt? Die Forschenden von Seven.One Media sind dem nachgegangen und haben neue Daten zur kurz- und langfristigen Wirkung des Mediums vorgelegt.
Text: Cathrin Hegner
Jubelmeldungen gibt es immer – und meistens auch jemanden, der sich nicht so recht mitfreuen kann. So ist es auch, wenn TV-Vermarkter auf den Traffic verweisen, den das lineare Fernsehen im Internet erzeugt oder ein Werbungtreibender 400 Prozent mehr Suchvolumen nach einer TV-Kampagne verkündet. Oft wird eingewendet, dass es dafür jede Menge andere Gründe als eine laufenden TV-Kampagne geben kann, dass Traffic kein Umsatz ist und das lineare Fernsehen One-Click-Shopping-Erfolge nicht nachweisen kann. Die KPIs im Lower Funnel, so heißt es, gehörten dem Performance Marketing.
Dabei gibt es einige Hinweise auf die Wirksamkeit von TV im Lower Funnel, wie zum Beispiel die Screenforce-Studie „From TV-Screen to Action“. Doch der Nachweis, wie TV-Kampagnen E-Commerce unmittelbar pushen, ist nur schwer zu erbringen. Um mehr Wissen über die Kurzfristeffekte des Mediums zu sammeln, hat Seven.One Media ein komplexes Modell aufgesetzt.
Was TV in der E-Commerce-Welt leistet
Über Google Analytics und die Datenbank BigQuery wird das Seven.One-Tool MediaLytics mit den Rohdaten der Werbungtreibenden gespeist, um eine Baseline zu kalkulieren – also den Traffic, der für eine Website ohne TV-Werbung zu erwarten ist. Mit jedem Tag, jedem Datenpunkt, der dazukommt, wird die Vorhersage der Baseline genauer. Wird der TV-Spot dann ausgestrahlt, kann für jeden innerhalb von acht Minuten folgenden Website-Besuch die Wahrscheinlichkeit ermittelt werden, mit der ein Visit durch diesen Spot ausgelöst wurde. Basis dafür ist die Abweichung des Traffics von der Baseline. Marketing- und Mediakampagnen, die nicht im linearen TV laufen, sind in der Baseline enthalten. Aber warum ausgerechnet acht Minuten?
Dieses Fenster habe sich in den zehn Jahren, seit das Tool weiterentwickelt wird, herauskristallisiert, erklärt Marco Kristl, Associate Director Brand Growth Strategy der Seven.One Entertainment Group. Etwa so lange dauere es, bis der Ultrakurzzeit-Effekt von TV auf die Website verschwunden ist und die Attributions-Linie die Baseline wieder schneidet.
